Die Fortschritte, die die Menschen der Frühzeit bei der Herstellung von Flintwerkzeugen machten, lassen sich an diesem Diagramm ablesen: Es zeigt, wie eine wachsende Anzahl von Schlägen ( Punkte ) und verschiedene Arbeitsgänge ( Punktgruppen ) zu besseren Werkzeugen und besserer Ausnutzung des Rohmaterials führten.

Für das primitivste Werkzeug waren 25 Schläge und ein Arbeitsgang erforderlich, während für das späteste und durchdachteste 251 Schläge und neun Arbeitsgänge nötig waren.

Beim ersten und zweiten Werkzeug handelt es sich um roh behauene Steinstücke. Das dritte entstand zu Zeiten des Neandertalers, bei der Abschläge von einem Kern abgespalten und dann bearbeitet wurden. Das Messer unten, das so scharf war, daß eine Seite abgestumpft werden mußte, damit man es anfassen konnte, wurde nach der komplizierten Technik des Cro-Magnon Menschen hergestellt.

Die vom Neandertaler eindeutig bevorzugte Methode der Werkzeugherstellung war das Moustérien; ihm gehören die hier abgebildeten Stichel und Schaber an. Im Gegensatz zu früheren Werkzeugen, die ihrem Wesen nach geformter Stein waren, wurden diese Moustérien-Werkzeuge aus Abschlägen hergestellt. Jeder Abschlag stammt von einem Stein-"Kern", der seinerseits zuvor behauen worden war - damit war das Aussehen des Abschlags gewissermaßen im voraus festgelegt.

Diese als Levallois bezeichnete Abschlagtechnik existierte bereits vor ungefähr 100.000 Jahren, als die Werkzeugmacher des Moustérien darangingen, sie zu verfeinern. Unter ihren geschickten Händen erwies sich die Methode als so ergiebig, daß ein Kern eine große Zahl von Abschlägen lieferte, die dann den Bedürfnissen der Neandertaler entsprechend bearbeitet werden konnten.

2005 - Gerhard Bigell ( 2000 - 2005 )
Werkzeuge der Eiszeit
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